Florida Eis: Handmade in Berlin

Erdbeere und Schokolade? Oder soll es doch lieber Waldmeister sein? Die Eiscreme der Berliner Manufaktur Florida Eis ist besonders lecker und wird aus feinsten Zutaten hergestellt. Seit 1927 geht das Spandauer Unternehmen immer wieder neue Wege. Aktuell ist es einer von 25 Partnern unserer Industriekampagne #Berlinproduziert.

Auf Schaumschlägerei ist Olaf Höhn gar nicht gut zu sprechen. Dabei gehört sie in seiner Branche gewissermaßen zum Geschäft. Der 68-Jährige ist Inhaber von Florida Eis. Und ein Markenzeichen sämtlicher Produkte aus der Spandauer Eismanufaktur ist ihre kompakte Konsistenz. „Wir verstehen uns als Qualitätshersteller. Und dazu gehört es insbesondere, dass wir unserer Eismasse keine Luft beimischen“, erläutert Olaf Höhn. In den meisten industriell hergestellten Eissorten sei diese reichlich vorhanden, um die Verarbeitung zu erleichtern und das Volumen zu erhöhen. „Man spricht dann von einem kalten Zucker-Luft-Schaum-Gemisch“, so Höhn. Hinzu kämen künstliche Aromastoffe und jede Menge Bindemittel. „Man erkennt dies ganz leicht daran, dass das Eis langsamer schmilzt. Die Bindemittel entziehen der Eismasse außerdem den Geschmack – wie bei dickem Pudding.“ 

 

 

„Berlin ist einfach eine tolle Stadt. Und das sage ich nicht nur, weil ich hier geboren und aufgewachsen bin. Vielmehr bietet Berlin einem auch als Unternehmer sehr viel Entwicklungsfreiheit.“
Olaf Höhn, Gründer und Inhaber von Florida Eis

Florida Eis-Kugeln sind keine Luftikusse

Um Florida Eis möglichst luftfrei herstellen zu können, werden auf der rund 800 Quadratmeter großen Produktionsfläche im Spandauer Ortsteil Staaken 14 Eismaschinen eingesetzt. Der studierte Maschinenbauer Olaf Höhn hat sie nach eigenen Entwürfen speziell in Italien herstellen lassen. Mittels stabartiger Kühlschnecken wird die Eismasse quasi aus den Maschinen herausgedreht. Mitarbeiter mischen anschließend per Hand frische Zutaten wie gefrorene Kirsch- oder Mandarinenstückchen, Mandelsplitter, Rosinen oder in der Soßenküche handgefertigte Schokosplitter hinein. Dann portionieren sie die kühle Mischung mit dem Eislöffel direkt in die 150- bzw. 500-Gramm-Becher, in denen das Florida Eis im Handel verkauft wird. Die Becher laufen unter einem Röntgengerät sowie einem Metalldetektor hindurch – und werden anschließend auf Minus 55 Grad Celsius „schockgefrostet“. „Die Eisgrundmasse von Florida Eis-Produkten besteht aus Milch, Zucker, Eigelb – und Butter. „Die Butter ist ein wichtiger qualitativer Baustein zur Strukturoptimierung der Eismatrix“, erläutert Olaf Höhn. Das Eis zergeht weicher und schmeckt intensiver als bei der Verwendung von Pflanzenfett.

Symbiotische Partnerschaft

1984 rief Olaf Höhn die Marke Florida Eis ins Leben. Er übernahm das bereits 1927 gegründete Spandauer Traditionscafé „Annelie“ und damit rund 20 Eisrezepte sowie zwei Mitarbeiter. Eine davon war Simone Gürgen. Für Olaf Höhn erwies sich die Zusammenarbeit mit der gelernten Konditorin als Glücksgriff. Heute ist sie seine Geschäftspartnerin und für die Entwicklung neuer Sorten zuständig. „Simone Gürgen hat eine ausgesprochen feine Zunge, unsere Zusammenarbeit ist sehr symbiotisch“, so Höhn. Das Rezept-Repertoire von Florida Eis ist in der Entwicklungsküche seiner Partnerin inzwischen auf mehr als 80 Sorten angewachsen. Etwa 40 davon befinden sich aktuell im Verkauf. Gibt es auch Bestseller? „Schokolade, Vanille und Erdbeere sind nach wie vor die Klassiker“, sagt Olaf Höhn und ergänzt: „Allerdings macht die Mango der Erdbeere inzwischen den Rang streitig. Auch Sorten wie Cookies oder saisonale Produkte wie Waldmeister oder Lime Pie laufen bei uns ausgesprochen gut.“

Typisch Berlin: die hohe Innovationskraft

Das junge Unternehmen Florida Eis, das Olaf Höhn nach dem Schauplatz seiner Lieblingsserie Miami Vice benannte, wuchs schnell. So schnell, dass es bald seiner Produktionsstätte entwuchs. 2012 errichtete Höhn deshalb eine neue Eisfabrik im Spandauer Ortsteil Staaken, die inzwischen rund 1.500 Tonnen Eis im Jahr produziert. Etwa 240 Mitarbeiter beschäftigen die beiden Florida Eis-Cafés und das Werk zusammen. Und auch der Umsatz kann sich sehen lassen. „Allein im Handel werden wir in diesem Jahr die 10-Millionen-Euro-Grenze überschreiten.“

Bewusst besetzt die Berliner Eismanufaktur eine Nische im Markt. „So experimentierfreudig wie die kleinen Manufakturen in Prenzlauer Berg können wir aufgrund der Vorgaben des Handels nicht sein. Aber unter den industriellen Eisherstellern zeichnen wir uns durch eine hohe Qualität aus“, so Olaf Höhn, zu dessen Hauptabnehmern die Supermarktketten REWE, EDEKA, SKY, Kaufland und Real sowie die Gastronomie zählen. Ein weiterer Erfolgsfaktor des Unternehmens ist die Berlin-typische hohe Innovationskraft. So wird Florida Eis inzwischen zu 100 Prozent klimafreundlich und CO2-neutral produziert und ist damit die ökologischste Eisfabrik Deutschlands. „Berlin ist einfach eine tolle Stadt. Und das sage ich nicht nur, weil ich hier geboren und aufgewachsen bin. Vielmehr bietet Berlin einem auch als Unternehmer sehr viel Entwicklungsfreiheit“, betont Olaf Höhn.

Vom Dach bis zum Boden: alles Öko

Zum „Ökosystem“ von Florida Eis gehören unter anderem Fotovoltaik-Zellen, eine Windkraftanlage, eine Pelletheizung und der Einsatz von Glasschaumschotter als Dämmung unter dem gesamten Gebäude. Letzterer spart vor allem im Bereich der Tiefkühlzelle erheblich Strom ein, da diese so ohne Fußbodenheizung auskommt. Interessant auch: Die Tiefkühlfahrzeuge, die das Florida Eis ausliefern, benötigen für die wärmeempfindliche Ware keine externe Kühlung. Über die relativ alte Technik der „Eutektik“ werden Speicherelemente im Wagen über Nacht mit Kälte aufgeladen.

Die Idee, das Eis am Standort umweltbewusst zu produzieren, brachte Sohn Björn während seines Studiums der Hydrogeologie in das Unternehmen ein. „Die Einsparung, die wir inzwischen durch den Einsatz umweltfreundlicher Technologie erzielen, ist nennenswert. Ich gehe von 120.000 bis 150.000 Euro im Jahr aus“ so der 35-Jährige, der heute für das Marketing bei Florida Eis zuständig ist.
 

Investition in die Zukunft: die schlaue Tiefkühltruhe

Auch in Sachen Digitalisierung geht Florida Eis neue Wege: Mit der Entwicklung einer smarten Tiefkühltruhe, die per Scanner RFID-Codes auf den Eisverpackungen ausliest und dabei exakt registriert und vermeldet, welche Sorte am Standort gerade entnommen wurde. Das ist vor allem für Hersteller und Handel praktisch, denn die smarten Truhen können so im Handumdrehen aufgefüllt werden. Auf eine erhöhte Nachfrage lässt sich ebenfalls schnell reagieren. Sollte zum Beispiel Mango-Eis in einem bestimmten Supermarkt besonders gefragt sein, wird mehr davon nachgeliefert. Auch die Kunden profitieren von der intelligenten Lösung: Per App können Sie sich bereits zu Hause darüber informieren, wo in der Nähe ihr Lieblings-Florida Eis zu finden ist.

Noch befindet sich die smarte Tiefkühltruhe in der Testphase, aber bereits ab Ende 2018 soll sie im Handel eingesetzt werden. Olaf Höhn sind solche Entwicklungen sehr wichtig. „Es geht uns dabei nicht nur um den Service am Kunden, sondern auch um Energieeffizienz. Durch die Einführung der smarten Tiefkühltruhe werden wir unsere Logistikkosten um bis zu 28 Prozent reduzieren können. Das entspricht einer Einsparung von rund 116 Tonnen CO2 im Jahr. Nach Schaumschlägerei klingt das wirklich nicht.

Fotos: ©Florida Eis 

zurück zu den Stories