BerlinMan 2018: vom Wannsee über den „Willi“ durch den Grunewald

Hawaii hat die Ironman World Championship – Berlin hat den BerlinMan. Seit 1992 wird der Mitteldistanz-Triathlon im Strandbad Wannsee und im Grunewald ausgetragen. Insgesamt 2,2 Kilometer Schwimmstrecke, 90 Kilometer auf dem Rad sowie einen 20 Kilometer langen Laufkurs müssen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Stück bewältigen. Am 1. und 2. September 2018 findet der BerlinMan bereits zum 14. Mal statt. Veranstalter sind die Weltraumjogger Berlin e. V.  Der größte Triathlon-Verein Berlins wurde Ende der 1980er-Jahre von Studenten gegründet. Spontan benannten sie sich damals nach einem Computerspiel. Dabei ist es bis heute geblieben. Oliver Büttel, Vorsitzender Weltraumjogger Berlin e.V. und Präsident der Berliner Triathlon Union (BTU) über die Besonderheiten und Highlights des BerlinMan – und warum (fast) jeder daran teilnehmen kann.   

INTERVIEW

Herr Büttel, was macht den BerlinMan typisch Berlin?

Das Besondere am BerlinMan und zugleich typisch für die Stadt ist, dass im Grunde jeder mitmachen kann. Wir bieten an zwei Wettkampftagen drei Formate an: einen Jedermensch-Triathlon für Einsteiger, bei dem man lediglich 700 Meter schwimmen, 24 Kilometer Radfahren und fünf Kilometer laufen muss, einen MiniMan für Schülerinnen und Schüler und als Höhepunkt schließlich die Mitteldistanz am Sonntag, bei der insgesamt 2,2 Kilometer Schwimmstrecke, 90 Kilometer auf dem Rad und 20 Kilometer Laufdistanz bewältigt werden müssen. Das ist nicht ohne, aber die Strecken sind gut machbar. Es gibt nur wenige Höhenmeter und die Laufstrecke im Grunewald bietet den Athletinnen und Athleten auch bei hohen Temperaturen viel Schatten.   

 

Für Zuschauer: Welches sind die Highlights der Strecke?

Ein Highlight ist sicherlich der Start im denkmalgeschützten Strandbad Wannsee, das eines der schönsten und bekanntesten Freibäder Berlins ist. Die Radstrecke führt über die Havelchaussee. Diese war 1987 anlässlich der 750-Jahrfeier Berlins sogar Bestandteil der Prolog-Strecke der Tour de France. Ihr höchster Punkt, der Karlsberg mit dem Grunewaldturm, unter Radsportlern auch „Willi“ genannt, muss beim BerlinMan insgesamt vier Mal überwunden werden. Er hat rund 80 Höhenmeter. Ein weiteres Highlight des BerlinMan ist, dass er komplett in Berlin stattfindet. Organisatorisch ist das gar nicht so einfach zu bewerkstelligen. Einer der Gründe, warum wir das Event nur alle zwei Jahre veranstalten.

 

Ironman – BerlinMan: Wo liegt der Unterschied?

Ironman ist inzwischen eine geschützte Marke, unter deren Dach weltweit Triathlon-Wettkämpfe über verschiedene Distanzen professionell organisiert ausgetragen werden. Dahinter steht ein großer, internationaler Finanzdienstleiter. Der BerlinMan wird von den Weltraumjoggern ausschließlich mit ehrenamtlichen Helfern ausgerichtet. Insofern ist die Atmosphäre deutlich familiärer als bei den Ironman-Events. Man kennt sich, denn die meisten Starterinnen und Starter kommen aus der Region. Zumal beim BerlinMan gleichzeitig die Berlin-Brandenburgische Meisterschaft ausgetragen wird.   

Wie viele Helfer sind in diesem Jahr dabei?

Knapp 200. Darunter sind viele Weltraumjogger-Vereinsmitglieder. Es haben sich aber auch in diesem Jahre zahlreiche Berlinerinnen und Berliner als freiwillige Helfer bei uns gemeldet. Es ist immer wieder toll, wie viel Unterstützung wir durch die Berliner Bevölkerung erfahren!

 

Die Weltraumjogger veranstalten den BerlinMan als größter Triathlonverein der Stadt bereits seit 1992. Wie kam es dazu?

1989 haben wir in Berlin den ersten Volkstriathlon organisiert. Hajo Tischer, damals Vorsitzender der Weltraumjogger und ich haben 1991 bei der Langdistanz in Roth zugeschaut und kamen begeistert zurück. Wir beschlossen: Das machen wir in Berlin! Wir mussten allerdings schnell feststellen, dass sich die Organisation einer Langdistanz mit insgesamt 3,8 Kilometern Schwimmstrecke, einem 180 Kilometer langen Radkurs und 42,2 Kilometern Laufstrecke im damaligen Westberlin nicht realisieren ließ. Stattdessen organisierten wir 1992 den ersten BerlinMan-Triathlon als Mitteldistanz. 300 Teilnehmer gingen damals an den Start, 280 Männer und 20 Frauen. Beim Jedermensch-Triathlon waren es 287 Männer und 70 Frauen. Heute haben sich die Zahlen gegenüber damals fast verdoppelt. Das liegt unter anderem daran, dass Triathlon in den vergangenen Jahren mit prominenten Zugpferden wie den deutschen Ironman-Hawaii-Gewinnern Jan Frodeno, Patrick Lange und Sebastian Kienle zur Trendsportart geworden ist.

 

Ist Berlin ein guter Triathlon-Standort?

Mit der Leichtathletik EM als Highlight 2018 hat Berlin als Sportstadt extremen Rückenwind bekommen und sich als Sportstandort sehr gut verkauft. Nächstes Jahr werden im Rahmen der neu geschaffenen „Finals – Berlin 2019“ erstmals auch die Deutschen Meister über die Triathlon-Sprintdistanz in der Stadt ermittelt. Zusätzlich soll im Kontext der Veranstaltung im Strandbad Wannsee und rund ums Olympiastadion ein Jedermann-Triathlon stattfinden, um Profi- und Hobbysport zusammenzubringen. Kurzum: Die Stadt Berlin unterstützt den Triathlon, das spüren wir auch bei der Organisation des BerlinMan. Die Zusammenarbeit mit den Behörden und der Polizei gestaltet sich  ausgesprochen problemlos.

 

Was schätzen Sie an Berlin am meisten?

In Berlin ist alles möglich! Ob man nun in Trikot und Radhose oder lediglich mit einer Badehose bekleidet durch die Stadt radelt – den Berlinern ist das vollkommen „wumpe“. Man fällt nicht auf. Das mag ich nach wie vor an unserer Stadt: Sie ist einfach unaufgeregt.

Berlin hat für mich einen ganz besonderen Stellenwert. 1999 habe ich hier meinen ersten Volkstriathlon mitgemacht. Und der BerlinMan ist für mich nach wie vor ein Highlight im Wettkampfkalender. Wo auch immer in der Welt ich antrete, der Berliner Bär begleitet mich als Glücksbringer auf dem Trikot.

Nils Frommhold, zweifacher Ironman-Sieger (Arizona 2012, Südafrika 2014), 6. Platz beim Ironman Hawaii 2014 und Sieger Challenge Roth 2015, gebürtiger Berliner