Bilder der Freiheit

„Du lebst und liebst die Freiheit genauso wie Berlin?" Diese Frage stellten wir im Mai Berlin-Fans weltweit und riefen damit zu einem Fotowettbewerb auf.

29.000 Menschen beteiligten sich an der Foto-Challenge – und reichten bis Anfang August Fotos ihrer ganz persönlichen Freiheitsmomente unter #FREIHEITBERLIN auf Instagram und EyeEm ein. Die elf schönsten und kreativsten wurden von uns final ausgewählt. Als Plakatmotive sind sie ab Anfang November in ganz Berlin zu sehen.

Giulia aus Triest und Felix aus Berlin gewannen außerdem ein Freiheitswochenende in der Hauptstadt. Matthias Zierau wird sie am 3. und 4. November in seinem Klassik-Taxi durch die Stadt fahren und führen – einzigartige Berliner Freiheitsmomente garantiert. Herzlichen Glückwunsch an die Finalisten und Gewinner!  

Hier stellen sich Giulia und Felix kurz vor:

Giulia Coppetti

Alter: 29    

Beruf: Verwaltungsangestellte im Verkauf

Wohnort: Triest, Italien    

Sternzeichen: Jungfrau    

Lieblingsfarbe: Schwarz

Lieblingstier: Katze

Lieblingssong: Ich habe keinen. Was ich gern höre, richtet sich jeweils nach meiner aktuellen Stimmung.

Kannst du uns etwas zu deinem Gewinnerfoto erzählen? Wie und warum entstand es?
Im Juni 2018 war ich zum ersten Mal in Berlin. Mein Freund und ich beschlossen, die East Side Gallery zu besuchen – eine klassische Touristenattraktion. Uns war bereits bewusst, dass einige der Wandbilder dort sehr ausdrucksstark sind. Uns beeindruckten aber auch die Freiheitsbotschaften weniger bekannter Murals. Als wir uns dem Bruderkuss-Bild von Dmitri Wrubel näherten, hatten sich bereits einige Menschen dort versammelt. Während ich wartete, beobachtete ich, dass einige der Anwesenden mehr daran interessiert waren, ein Bild von sich neben diesem berühmten Mural zu machen als sich damit auseinanderzusetzen. Ich liebe es, zu fotografieren. Generell versuche ich aber, eine persönliche Perspektive in meine Bilder zu bringen. Der Bruderkuss zwischen Honecker und Breschnew provoziert aus vielen Aspekten heraus. Ich versuchte, auf diese Provokation von der Idee her zu reagieren. Mein Freund Giacomo und ich haben das Originalfoto, auf dem das Wandbild basiert, teilweise neu gedacht, indem wir eine Reihe von Kontrasten hinzugefügt haben. Eine Frauenfigur ersetzt bei uns einen der beiden Männer. Die Frau ist jung, während der Mann alt ist. Die Farbigkeit des Bildes versetzten wir zurück in die schwarz-weiße Welt des Originals. Die Augen der Frau allerdings scheinen über diese „tödliche Liebe“ hinaus zu schauen, auch wenn sie von einer Sonnenbrille verdeckt sind. Ihr Blick scheint aus Vergangenheit zu kommen und die Gegenwart verträumt zu betrachten. Vielleicht sogar die Zukunft ...

Was bedeutet Freiheit für dich?
Freiheit ist für mich als Idee schwer zu definieren. Ich denke, dass wir Freiheit nicht als eine Form fehlender Begrenzung betrachten sollten. Zugleich sind feste Begrenzungen am weitesten von der Freiheit entfernt. Für mich bedeutet Freiheit, eine Entscheidung bewusst treffen zu können – und zwar in allen Lebenslagen. Freiheit bedeutet auch, dass einem kritische Instrumente und Bildung zur Verfügung stehen. Nur so können wir beurteilen, was besser für uns sein mag: als Gesellschaft oder Einzelperson. Die Idee der Freiheit ist eng verbunden mit Respekt: Um freie Entscheidungen treffen zu können, muss man andere respektieren. Ihre Freiheit, ihre Gesellschaftsform. Nicht zuletzt sollte man die eigene Identität respektieren – die eigenen Träume und die eigene Persönlichkeit.

Was magst du besonders an Berlin?
Berlin ist eine glitzernde Stadt. Sie ist modern, jung und dynamisch. Ein Mosaik aus Stilen, Kulturen und Ideen. Diese Mischung kreiert eine Identität, die sich ständig ändert, aber doch klar definiert ist.

Stell dir vor, alles ist möglich: Was würdest du in Berlin gern mal machen?
Ich würde gern mal über die Stadt fliegen, sie vom Himmel herab beobachten. Wie ein Wissenschaftler, der die Menschheit durch ein Mikroskop betrachtet. Und ich würde gern mal eine Zeit lang in Berlin leben, um zu verstehen, wie die Stadt wirklich tickt. Als Touristin habe ich mich gefragt: Würde mein erster Eindruck von der Stadt sich dann verändern oder gleichbleiben?

Dein Tipp für Berlin-Besucher?
Wenn man eine große Stadt das erste Mal besucht, möchte man zunächst die bekannten Sehenswürdigkeiten sehen. Ich würde Berlinbesuchern aber empfehlen, erst einmal die verschiedenen Gegenden von Berlin zu Fuß zu erkunden. In jedem Stadtteil gibt es Interessantes zu entdecken und auszuprobieren. Eine gute Gelegenheit, sich einen Eindruck vom „wahren Leben“ in der Stadt zu verschaffen. Zum Beispiel beim entspannten Lesen einer Zeitung oder eines Buchs in einem kleinen Café oder einer Bäckerei, beim Shoppen in einem der vielen Design Stores der Stadt oder beim Besuch der Galerie eines Berliner Künstlers. Just relax and enjoy real Berlin!

 

Felix Kayser

Alter: 35

Beruf: Ad-Operator und Fotograf

Wohnort: Berlin-Mitte

Sternzeichen: Schütze

Lieblingsfarbe: Grün

Lieblingstier: Eichhörnchen 

Lieblingssong: „A New Error“ von Moderat

 

1.    Kannst du uns etwas zu deinem Gewinnerfoto erzählen? Wie und warum entstand es?

Es war ein lauer Sommerabend, die Sonne verließ den Horizont und die Paddler starteten direkt vor meiner Linse. Das war echt magisch und ich war genau am richtigen Ort in perfekter Lage. Aus dem Off rief es schon: „Keine Fotos hier!“ Aber ich hab mich nicht davon abhalten lassen, diesen Berliner Sommermoment einzufangen. Danach gab es noch böse Blicke und ich hab die Situation verlassen. Auf dem Weg zurück, bin ich an Dutzenden von Menschen vorbeigelaufen, die gerade ein Selfie mit der gleichen Skyline gemacht haben.

2.    Was bedeutet Freiheit für dich?

Meine Freiheit heißt Mobilität. Sich in fast allen Stadtteilen ohne Auto bewegen zu können, ist ein hohes Gut. Bequem und schnell von Ost nach West, von Nord nach Süd – mit Bus, Bahn oder Fahrrad. Mehr Freiheit geht nicht.

3.    Was magst du besonders an Berlin?

Unsere historisch gewachsen Verkehrssysteme und die noch vorhandenen grünen Oasen. Die vielen Nationalitäten, die hier leben und die uns wöchentlich besuchen. Aber auch die noch vorhanden Urberliner in ihren Kiezen haben einen ganz besonderen Charme.

4.    Stell dir vor, alles ist möglich: Was würdest du in Berlin gern mal machen? 

Endlich die Straßenbahn im Westen Berlins wieder aufbauen. Besonders am Potsdamer Platz, Hermannplatz und Zoo.

5.    Dein Tipp für Berlin-Besucher?

Mit der Straßenbahnlinie 12 von Mitte nach Weißensee fahren. Authentischer geht’s nicht! Und Oberschöneweide ist mein kultureller Geheimtipp

 

 Photo: Marvin Girbig

 

Sämtliche Finalisten-Fotos auf einen Blick

 

 

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