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1. WG: "Sehnsuchtsort Berlin"

Am 10. September 2019 fand sich die erste Berlin-WG in Mitte zusammen. Gemeinsam mit Joab Nist (Notes of Berlin) und einer bunt-gemischten Gruppe von Berlinerinnen und Berlinern wurde analysiert und diskutiert, warum Berlin von zahlreichen Menschen auf der ganzen Welt als „Sehnsuchtsort“ beschrieben wird.

Wer waren die WG-Bewohner/innen am 10. September?

  • Mark, Unternehmer
  • Kevin, Datenbankspezialist
  • Sebastian („Schere“), Bassist der Band Die neue Sachlichkeit
  • Carol, Projektmitarbeiterin
  • Masha, Influencerin, Bloggerin
  • Christian, Initiator des Netzwerks Berlin hilft!

 

Was wurde am WG-Tisch diskutiert?

Zur ersten Berlin-WG trafen Zugezogene auf Urberliner, eine Influencerin auf einen Unternehmer und ein Bassist auf den Initiator eines Flüchtlingsnetzwerks. Was verbindet diese unterschiedlichen Charaktere mit der Stadt Berlin? Diese Frage, basierend auf einer „Note“ des Blogs Notes of Berlin, eröffnete die erste Diskussionsrunde, moderiert von Joab Nist.

„Berlin verlassen zu müssen fühlt sich an, wie die Liebe des Lebens zu verlassen“ - dieses Gefühl der Verbundenheit und Sehnsucht nach Berlin haben wohl schon viele einmal verspürt, so auch Joab, der aus München in Berlin zu Besuch war und kurze Zeit später dann hier herzog. Warum zieht es so viele Menschen nach Berlin? Was macht die Faszination dieser Stadt aus? Vor allem Begriffe wie Freiheit, Ehrlichkeit, Vielfalt, Abwechslung, Kommunikation, unendliche Möglichkeiten, Mut und Offenheit prägten das weitere Gespräch.

Carol aus Italien beschreibt zum Beispiel, dass es ein besonderes Gefühl ist, wenn man das erste Mal in Berlin ist: ein Gefühl, zuhause zu sein. Für sie ist Berlin die große Liebe. Masha, eine Influencerin, hat sich ebenfalls schon in Jugendjahren schockverliebt. Bei ihrem ersten Berlin-Besuch hat sie sich erstmals so richtig lebendig gefühlt. Sie glaubt auch, dass sich jeder hier wohlfühlen kann, man müsse nur den richtigen Kiez für sich finden.

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Joab fragte die Urberliner dann, warum diese immer noch in Berlin seien.

Berlin sei für „Schere“ schon immer Teil seines Lebens, inzwischen zieht es ihn aber auch in andere Städte. Berlin hätte sich in den letzten zehn Jahren, in denen er hier gelebt hat, sehr geändert, sagt er. Er vermisst den alternativen Kulturkreis, welcher seiner Ansicht nach in den letzten Jahren schon sehr zurückgegangen ist. Berlin hat sich über die Jahre etabliert und das Spontane fehle ihm.

Kevin findet, dass jeder Typ Mensch – ob Individualist oder Kollektivist – in diese bunte vielfältige Stadt passt, die für ihn lediglich im Winter vergleichsweise reizlos ist.

Mark ist wieder nach Berlin zurückgezogen, weil er das Gefühl vermisst hat, in einer Großstadt zu leben und gleichzeitig die Möglichkeit zu haben, seinen privaten Raum zu finden. Berlin zog seiner Meinung nach auch immer schon Künstler, die freie Szene und Startups in ihren Bann. Mark liebt Berlin bedingungslos und in allen Facetten, da er ein großer Freund von verschiedenen Kulturen, Austausch und Freiheit ist.

Die Vielfalt und die Möglichkeiten sind für die einen das Reizvolle an Berlin und für die anderen eine Überforderung, meint Christian. In Berlin habe man die große Auswahl, aber man müsse sich dennoch entscheiden können. Für manche sei dies ein Ausdruck von Freiheit, für andere sei das zu viel.

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Berlin besteht aus zahlreichen Kiezen, in denen man oft seine eigenen Bäcker, Fleischer und Wäschereien des Vertrauens hat. Es entsteht eine Art Dorfcharakter, obwohl man sich inmitten einer Großstadt befindet. Ist es so überhaupt möglich, ein allübergreifendes „Berlingefühl“ zu entwickeln?

Christian meint, dass Berlin einen Grundkonsens hat, und zwar in der Vielfalt und Offenheit. Für Kevin ist Berlin die anarchistischste Hauptstadt. Mark stimmt dem zu und findet, dass dies genau das widerspiegelt, was die Leute glauben, in Berlin finden zu können. Auch Joab hält fest, dass Berlin im Vergleich zu anderen Metropolen einen anderen Stadtbildton führt, sodass seine Arbeit mit den „Notes of Berlin“ nur hier wirklich möglich sei. In Berlin gehöre es zum Lebensgefühl dazu, einfach mal eine Nachricht irgendwo zu hinterlassen.

Wie andere Menschen darauf reagieren, wenn sie erfahren, dass man in Berlin lebt, erzählt Mascha in einer Anekdote: eine ausländische Bekanntschaft hätte schon mehrmals beobachtet, dass Berliner direkt Berlin nennen, die Münchner Bayern als Wohnort angeben – aber die Menschen aus den anderen deutschen Städten nur allgemein von Deutschland reden würden. Berlin sei für Mascha wie eine Insel. Berlin sei ein anderes Deutschland. Berlin stehe einfach für sich.

(c) Berlin Partner

Was wünschen sich die WG-Besucher/innen für die nächsten zehn Jahre von oder für Berlin?

Mit dieser Frage resümieren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die erste WG-Gesprächsrunde.

„Schere“ findet es wichtig, dass die Freiräume in Berlin erhalten bleiben, bestenfalls noch weitere geschaffen werden. Carol wünscht sich von Berlin, dass sie die Möglichkeit hat, hier alt zu werden. In Berlin sollen für Christian die Toleranz, Kreativität und Verrücktheit erhalten bleiben. Kevin wünscht sich, dass die Möglichkeit der Selbstverwirklichung erhalten bleibt und man mehr auf die Stimme der Stadt hört. In Mashas Vision soll die Berliner Zukunft Kreativen mehr Raum geben und diese fördern. Marks Wunsch richtet sich an die Berliner: Alle, die sich als Berliner fühlen, sollen das Herz auf der Zunge behalten. Sie sollen wahrnehmen, in welchem Paradies sie hier leben, und die Stadt, in der sie leben, feiern.

Wir danken allen Teilnehmern und Teilnehmerinnen für den regen Austausch.

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