30 Jahre Mauerfall

Mehr als 200 Veranstaltungen, Videoprojektionen, Kunstinstallationen und eine große Bühnenshow am Brandenburger Tor: Mit einem stadtweiten Fest feiert Berlin den 30. Jahrestag des Mauerfalls. Im Fokus der Festivalwoche stehen die Schauplätze der Friedlichen Revolution. 

Fast 150 Meter weit schwebt das bunte „Skynet“ vom Brandenburger Tor aus über die Straße des 17. Juni hinweg. Wer genauer schaut, erkennt: Es ist ein Konstrukt voller Botschaften. Auf den einzelnen Bändern finden sich die Ideen, Wünsche und Hoffnungen von rund 30.000 Menschen, die in Hunderten von Workshops und Veranstaltungen zusammengetragen wurden. „Visions in Motion“ hat der Künstler Patrick Shearn von Poetic Kinetics seine Installation genannt – eine Anlehnung an die Transparente der Demonstrationen der Friedlichen Revolution.

Die schwebende Installation vor dem Brandenburger Tor ist nur eine von mehr als 200 Veranstaltungen und Aktionen, mit denen Berlin an den Mauerfall am 9. November 1989 erinnert. Im Fokus der Festivalwoche stehen die Schauplätze der Friedlichen Revolution. An sieben historisch bedeutenden Orten der Protestbewegungen und Demonstrationen hat sich die Stadt seit dem 4. November 2019 in ein großes Open-Air-Ausstellungs- und Veranstaltungsgelände verwandelt. Open-Air-Ausstellungen erinnern jeweils an die Geschehnisse vor Ort.

Höhepunkt des Programms, das noch bis zum 10. November läuft, ist eine große Bühnenshow am Abend des 9. November vor dem Brandenburger Tor: Eine multimediale Inszenierung erzählt einen Teil der deutschen Freiheitsgeschichte. Neben musikalischen Acts, Schauspiel- und Lichtperformances kommen engagierte Menschen von damals und heute zu Wort. Musikalisch untermalen die Staatskapelle Berlin unter der Leitung von Daniel Barenboim, Anna Loos, Trettmann, Dirk Michaelis, Zugezogen Maskulin und Die Zöllner den Abend. Eröffnet wird die Bühnenshow durch den Regierenden Bürgermeister von Berlin, Michael Müller. Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und Marianne Birthler, Bürgerrechtlerin und ehemalige Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, halten Ansprachen

Die Bühnenshow beginnt um 17.30 Uhr, Einlass ist ab 15 Uhr. Der Besuch des gesamten Festivals ist kostenlos.  

 

7 zentrale Veranstaltungsorte

1. Alexanderplatz
Am 4. November 1989 kam es auf dem Berliner Alexanderplatz zur größten Protestdemonstration der DDR-Geschichte. Hunderttausende versammelten sich hier. Sie forderten Reisefreiheit, freie Wahlen, Meinungs- und Pressefreiheit sowie eine andere, demokratische DDR. Aufnahmen der Ereignisse werden bei Dunkelheit auf die Fassaden des Alexander- und Berolinahauses projiziert.

2. Brandenburger Tor
Das Brandenburger Tor war bis zum 9. November 1989 Symbol der Teilung Deutschlands und Europas. Heute steht das Brandenburger Tor vor allem für Freiheit. Bereits in der Nacht vom 9. auf den 10. November tanzten hier Menschen auf der Mauer. Neben der schwebenden Installation „Visions in Motion“ zeigt die Installation „Wall of Opinions“ Menschen hinter sechs Grenzmauern in aller Welt. Am 9. November um 17.30 Uhr gedenkt Berlin dem Mauerfall mit einer großen Bühnenshow vor dem Brandenburger Tor. 

3. East Side Gallery
Mit der Bemalung des Mauerabschnitts der heutigen East Side Gallery in Berlin-Friedrichshain schufen Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt einen Ort, der bis heute den Aufbruch in eine vereinte Stadt mit einem neuen Selbstverständnis symbolisiert. Neben Führungen, Gesprächen und Kurzfilmen erinnert eine schwimmende Lichtinstallation an die ehemalige Grenzlinie auf der Spree.  

 

4. Gethsemanekirche
Die Gethsemanekirche wurde ab Anfang Oktober 1989 zu einem entscheidenden Ort des Widerstands gegen das SED-Regime in Berlin. Ein Kontakttelefon übernahm die Aufgaben einer Nachrichtenagentur. Die Gethsemanekirche wird während der gesamten Festivalwoche mit großflächigen 3-D-Videoprojektionen bespielt. Veranstaltungen finden in der Kirche selbst statt.

5. Kurfürstendamm
In der Nacht des Mauerfalls und in den ersten Tagen danach kam es auf dem Kurfürstendamm und dem Breitscheidplatz zu ergreifenden Szenen der Euphorie. Auch die folgenden Tage standen hier ganz im Zeichen der Begegnung zwischen Ost und West. Während der gesamten Festivalwoche werden Gebäudefassaden rund um den Breitscheidplatz mit großflächigen 3-D-Videoprojektionen inszeniert. Veranstaltungs-Ort ist der Programmpavillon.

6. Schlossplatz
In den Palast der Republik auf dem Berliner Schlossplatz zog im März 1990 das erste frei gewählte Parlament der DDR ein. Der Weg in die Demokratie war geebnet und eine wichtige Voraussetzung für die Deutsche Einheit geschaffen. Eine 3-D-Projektion auf die Fassade des Humboldt-Forums beleuchtet den Weg zur politischen Selbstbestimmung. Am 10. November können Besucherinnen und Besucher gesammelte Erinnerungen an den Mauerfall im Rahmen der Komposition „Mauer Broadcast“ gemeinsam im Chor singen.

7. Ehemalige Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg
Am 15. Januar 1990 drangen Tausende von Menschen in die Berliner Stasi-Zentrale in der Lichtenberger Normannen-/Ruschestraße ein. Der SED wurde ihre wichtigste Machtstütze endgültig entrissen. Die Festival-Veranstaltungen finden vor allem im Haus 22 des Campus für Demokratie statt. Die Installation „Am Telefon sagt man nix“ beschäftigt sich mit dem Thema Überwachung. Ein Zeitzeuge führt durch die Open-Air-Ausstellung „Revolution und Mauerfall“.

„Breaking Berlin“ – eine Graphic Novel zum Tag des Mauerfalls  

Wer beim Festival nicht vor Ort dabei ist, kann den Mauerfall auch über die Sozialen Medien miterleben. Der Instagram-Kanal von ZDFinfo begleitet mit der Graphic Novel „Breaking Berlin“ zehn fiktive Berliner und Berlinerinnen durch den 9. November 1989. Die detailliert ausgearbeiteten Charaktere stehen stellvertretend für verschiedene gesellschaftliche Schichten in Ost udn West. Eingebaute Fotos versetzen die User direkt an die historischen Schauplätze. Am Samstag, den 9. November 2019, geht der Kanal immer wieder an Schlüsselmomenten live – 30 Jahre nachdem diese tatsächlich stattgefunden haben. So können User den realen Ablauf des Mauerfalls spielerisch miterleben.

Virtuell in die Geschichte eintauchen lässt sich’s per Smartphone oder Tablet auch mit der Augmented-Reality-App MauAR. Diese beantwortet zum Beispiel die Frage „Wo stand die Berliner Mauer?“, indem sie diese in ihrer einstigen Länge von rund 160 Kilometern visualisiert und in interaktiven Episoden vom Leben mit der Mauer in Ost und West erzählt.

 

10.957 Handabdrücke

Auch in der Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße finden während der Festivalwoche zahlreiche Gespräche und Diskussionen zum 30. Jubiläum der Friedlichen Revolution und des Mauerfalls statt. In der Sonderausstellung „Berlin Handshape“ zeigt die niederländische Künstlerin Meike Ziegler eine Kunstinstallation mit 10.957 Handabdrücken. Jeder Abdruck steht für einen Tag, der seit dem Mauerfall vor 30 Jahren vergangen ist, für Austausch und Begegnung. In das interaktive Kunstwerk integriert sind auch die „Handshapes“, die be Berlin auf dem Fest der Deutschen Einheit 2019 in Kiel gesammelt hat. Auch Sie können Teil der Kunstinstallation werden und im Dokumentationszentrum der Gedenkstätte Berliner Mauer Ihre Geschichte erzählen!


Offizielles Programm „30 Jahre Friedliche Revolution – Mauerfall“

Gedenkstätte Berliner Mauer