„Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“

Am 26. September 1969 wurde im Berliner Olympiastadion erstmals der Wettbewerb „Jugend trainiert für Olympia“ eröffnet. Heute – 50 Jahre später – kehrt der inzwischen weltweit größte Schulsportwettbewerb an seinen Ursprungsort zurück: Im Rahmen des Herbstfinales, das vom 23. bis zum 25. September in der Sportmetropole ausgetragen wird, findet am 23. September eine große Eröffnungsfeier statt, die ganz im Zeichen des 50-jährigen Jubiläums steht. Tillman Wormuth, Schulsportreferent des Landes Berlin und Organisationsleiter der Bundesfinals von „Jugend trainiert für Olympia & Paralympics“, über die Entwicklung des Wettbewerbs und seine Bedeutung für die Sportmetropole Berlin.   

 

Herr Wormuth, „Jugend trainiert für Olympia & Paralympics“ feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Jubiläum. Welches ist die Zielsetzung des Wettbewerbs?
Ein wesentliches Ziel des bundesweiten Wettbewerbs „Jugend trainiert für Olympia & Paralympics“ ist es, den teilnehmenden Schülerinnen und Schülern über den sportlichen Wettkampf positive Werte wie Fairness, Teamgeist und Einsatzfreude zu vermitteln. „Wie erreichen wie ein Ziel gemeinsam?“, „Wie gehen wir mit Niederlagen um?“ oder „Was bedeutet Fairness im Umgang miteinander?“ – solche Themen pädagogisch vermittelt zu bekommen, ist ein wichtiger Baustein in der persönlichen Entwicklung von Kindern. Darüber hinaus geht es bei „Jugend trainiert“ auch darum, Talente zu entdecken. Viele der heute erfolgreichen Spitzensportler haben als Kinder und Jugendliche an den Wettbewerben teilgenommen. Darunter auch die Berliner Fünfkämpferin Lena Schöneborn oder der Diskuswerfer Robert Harting.   

Im September 1969 wurde der erste „Jugend trainiert“-Wettbewerb im Berliner Olympiastadion eröffnet. Was hat sich seitdem getan?
Der Wettbewerb ist schneller, bunter und deutlich größer geworden: 1969 starteten 1.600 junge Sportlerinnen und Sportler aus elf Bundesländern in Berlin in zwei Disziplinen: Leichtathletik und Schwimmen. Mit Sonderzügen ging es aus dem ganzen Bundesgebiet nach Hamburg, Hannover und München. Und von dort mit dem Flugzeug nach Berlin. Heute ist „Jugend trainiert“ mit jährlich rund 800.000 teilnehmenden Schülerinnen und Schülern aus 16 Bundesländern der weltgrößte Schulwettbewerb. Ein wichtiger Schritt war die Implementierung paralympischer Disziplinen in den Wettbewerb, die 2010/11 mit Pilotveranstaltungen eingeleitet wurde. Veranstalterin ist übrigens heute die Deutsche Sportstiftung. Unterstützt werden die Berliner Finals von verschiedenen Sponsoren, vom Bundesinnenministerium und von der Stadt Berlin.

Welche Disziplinen sind inzwischen Teil des Wettbewerbs?
Heute werden im Rahmen von „Jugend trainiert“ in 19 olympischen und drei paralympischen Sportarten die besten Schulteams Deutschlands ermittelt. Darunter klassische Disziplinen wie Schwimmen, Rudern und Geräteturnen, aber auch moderne Sportarten wie Beachvolleyball oder Triathlon. Und es gibt drei Bundesfinals mit unterschiedlichen Sportarten. Das Frühjahrs- und das Herbstfinale werden jeweils in Berlin ausgetragen, die Winterfinals in Bayern und Baden-Württemberg. „Jugend trainiert“ hat sich im Laufe der Jahrzehnte deutlich professionalisiert.

Die Förderung des Leitungsdenkens durch sportliche Wettkämpfe wird ja häufig auch kritisiert. Wie stehen sie dazu?
Bei „Jugend trainiert“ werden nicht einzelne Sportlerinnen oder Sportler ausgezeichnet. Vielmehr treten Schulen gegeneinander an. Es geht also eher um eine faires Miteinander als um ein Gegeneinander. Das funktioniert. Ich erinnere mich beispielsweise an einen Hochsprungwettbewerb zu dem parallel ein paralympischer Leichtathletikwettkampf stattfand. Eine der paralympischen Sportlerinnen wollte aufgeben. Aber sämtliche Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sie plötzlich angefeuert und zum Weitermachen motiviert. Das war ein unglaublich bewegender Moment. Er zeigte, wie gut Inklusion im Sport funktionieren kann.

 

Das Bundesfinale von „Jugend trainiert“ ist ein integraler Bestandteil der Sportmetropole Berlin und spielt eine fast so große Rolle wie das DFB-Pokalfinale.
Tillman Wormuth, Schulsportreferent des Landes Berlin, Organisationsleiter der Bundesfinals von „Jugend trainiert für Olympia & Paralympics“

Welches sind die Highlights des diesjährigen Herbstfinales in Berlin?
Das Programm startet bereits mit einem Highlight: Zum 50-jährigen Jubiläum kehrt „Jugend trainiert“ an seinen Ursprungsort zurück. Am Montag, den 23. September, findet die Eröffnungsfeier für die Finals wie 1969 im Berliner Olympiastadion statt. 4.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Herbst-Bundesfinales laufen auf der blauen Bahn eine Ehrenrunde. Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier wird mit einer Begrüßungsansprache den Startschuss für die Jubiläumsfeierlichkeiten setzen und das Olympische Feuer wird entzündet. Im Stadion gibt es ein großes Showprogramm und im Stadionumlauf können Berliner und Brandenburger Schülerinnen und Schüler an einem „Bewegungs- und  Bildungsparcours“ teilnehmen. Die Wettbewerbe selbst finden dann in 14 verschiedenen Wettkampfarealen statt – von Beach Mitte über die Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark bis hin zur Regattastrecke in Berlin-Grünau. Am Mittwoch enden die Herbstfinals mit einer feierlichen Abschlussveranstaltung in der Max-Schmeling-Halle, bei der die Medaillen vergeben werden.

Gibt es für die Eröffnungsveranstaltung noch Karten?
Interessenten könne sich online bei der Deutschen Schulsportstiftung  registrieren. Wer das verpasst, kann auch am Montag direkt zum Olympiastadion kommen. Wir haben dort eine Art „Trouble-Desk“, an dem man sich vor Ort noch anmelden kann. Der Besuch der Veranstaltung ist übrigens kostenlos.     

Welche Bedeutung hat der Bundeswettbewerb „Jugend trainiert für Olympia & Paralympics“ für Berlin?
Das Bundesfinale von „Jugend trainiert“ ist ein integraler Bestandteil der Sportmetropole Berlin und spielt eine fast so große Rolle wie das DFB-Pokalfinale. „Jugend trainiert“ und Berlin verbindet ja eine lange Tradition. Entsprechend intensiv unterstützt die Stadt die Bundesfinals finanziell und organisatorisch. Im Straßenbild fallen während der Wettbewerbe vor allem die vielen Kinder und Jugendlichen in Trainingsanzügen auf, die jeweils bunte Kärtchen um den Hals tragen, mit denen sie kostenlos die BVG nutzen können. Das bringt auch Aufmerksamkeit in die Breite der Gesellschaft. „Jugend trainiert“ ist über 50 Jahre hinweg zu einer starken Marke geworden. Übrigens: Der Schlachtruf „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“, der heute dem DFB-Pokalfinale zugeordnet wird, wurde ursprünglich von Jugendlichen im Rahmen von „Jugend trainiert“ gerufen. Das weiß allerdings kaum noch jemand.   

10 Jahre Sportmetropole Berlin – was macht für Sie die Sportstadt Berlin aus?
Zunächst einmal ist Berlin in der Lage sportliche Großveranstaltungen erfolgreich durchzuziehen – ob es sich um das Sechstagerennen „Six Day Berlin“, Leichtathletik-Events wie das Internationale Stadionfest ISTAF oder „Die Finals Berlin 2019“ handelt, bei denen im August Deutsche Meisterschaften in zehn Sportarten erstmals zeitgleich an einem Ort ausgetragen wurden. Dies zeigt zugleich: Berlin ist sportlich ausgesprochen vielseitig. Nicht zuletzt zählt die Sportmetropole Berlin viele erfolgreiche Vereine. Und damit meine ich nicht nur die sechs großen Profivereine der Stadt, sondern auch viele andere, die nicht so stark im Rampenlicht stehen. Etwa die Wasserfreunde Spandau 04, deren Wasserballer deutsche Rekordmeister sind. Insgesamt gibt es in Berlin mehr als 2.000 Sportvereine. Gemeinsam mit den Sportstätten, dem Olympiastützpunkt, dem Landessportbund, den Senatsverwaltungen für Bildung und Sport und anderen institutionellen Playern besteht in Berlin ein starkes, eingespieltes und verwaltungsübergreifend arbeitendes Verbundsystem im Sport. Das ist nicht überall so! (vdo)

 

Mehr Informationen

•    Jugend trainiert für Olympia & Paralympics
•   Sportmetropole Berlin


Fotos: ©Jugend trainiert für Olympia & Paralympics/Deutsche Sportstiftung
Video Jubiläums-Botschafter Philipp Boy: ©Jugend trainiert für Olympia & Paralympics/Deutsche Sportstiftung

 

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