„Wenn nicht in Berlin, wo sonst?“

In Berlin entstehen Ideen! Rund die Hälfte aller deutschen Start-ups sitzt in der Hauptstadt. Gründer und Macher arbeiten hier in Innovation-Camps, hochkarätigen Forschungseinrichtungen, Gründerzentren und unterschiedlichsten Coworking-Spaces an neuen Produkten und Lösungen für die Zukunft. Einer dieser Orte ist das MotionLab.Berlin. Der Prototyping-Space für hardwareorientierte Start-ups ist zugleich ein Open Innovation Space. Hier können Gründer nicht nur fräsen, schrauben und sich austauschen, sondern ihr Produkt auch von der Idee zur Serienreife bringen.

Hämmern, Fräsen, Klopfen – dumpfe Geräusche hallen durch den Raum. Einem schwebenden Klangteppich gleich ziehen sie über den offenen Lounge-Bereich in der Cafeteria hinweg, nehmen noch einmal Fahrt auf über den großen weißen Cubicles, die hier „Garagen“ heißen, werden verstärkt an diversen Fräsen, 3-D-Druckern und Lasern und verklingen schließlich dezent an der metallenen Karosserie eines silberfarben gestrichenen alten Linienbusses, der mitten im Raum steht.

Freiheit heißt für mich, das machen zu können, was mich erfüllt.
Christoph Neye, Gründer, MotionLab.Berlin

„Den haben wir über eBay-Kleinanzeigen gekauft. Jetzt dient er uns als Besprechungsraum“, sagt Christoph Neye. Der 37-Jährige ist einer der Gründer des MotionLab.Berlin. Die Location auf einem Fabrikareal südlich des Görlitzer Parks ist ein „Maker-Space“ –  und damit einer der vielen Orte in Berlin, an denen Neues entsteht. Auf 4.500 Quadratmetern sind hier rund 25 Start-ups angesiedelt und mehr als 150 Mitglieder tüfteln an innovativen Produktideen.

Das Besondere am MotionLab.Berlin: Alle arbeiten hier mit Fokus auf Hardware. „Wir verstehen uns als Prototyping-Space. Das heißt, wir begleiten hardwareorientierte Start-ups von der Idee bis zum Prototypen und geben ihnen die Werkzeuge und Maschinen an die Hand, die sie für die Entwicklung ihrer Produkte zur Serienreife benötigen. Das ist für Berlin eher ungewöhnlich, da die meisten Start-ups in der Hauptstadt softwaregetrieben sind“, erläutert  Neye. Ein Schwerpunkt des MotionLab.Berlin ist Mobilität. Auch das hat seinen Grund „Berlin gilt als wichtiges Zentrum für die Entwicklung nachhaltiger und intelligenter Mobilitätslösungen. Es hat aber auch mit unserer eigenen Gründungsgeschichte zu tun.“

Und die geht so: Vor rund drei Jahren traf Christoph Neye seinen Co-Gründer Chris Iwasjuta zufällig im FabLab in Prenzlauer-Berg. Neye war damals noch im Marketing tätig, Iwasjuta in der IT-Branche. Die beiden beschlossen, gemeinsam ein Projekt anzugehen. „Wir wollten etwas Physisches machen – etwas, das im Kontrast stehen sollte zur kopflastigen Arbeit im Büro“, so Neye. Sie bauten schließlich ein Fahrrad zusammen. Doch der Prototyp erwies sich schnell als zu groß für das auf digitale Fabrikation spezialisierte FabLab. Christoph Neye und Chris Iwasjuta begannen daher, sich nach einer größeren Location umzusehen und kamen schließlich auf die Idee, selbst einen Open Innovation Space für größere Objekte anzubieten. Neye: „Wir dachten uns: „Schließlich sind wir in Berlin, das muss doch gehen!“

Fündig wurden die beiden schließlich in Alt-Treptow. Sie übernahmen die Location am Görlitzer Park von dem US-Start-up Local Motors, zunächst als Untermieter. Ende 2017 gründeten sie dann das MotionLab.Berlin zusammen mit einem Dritten im Bunde, dem Betriebswirtschaftler Fridtjof Gustavs, der zuvor an der TU Berlin das Formula Student Team der TU Berlin (FaSTTUBe) geleitet hatte. Und sie  gewannen einen Business Angel für ihre Idee. Seit Anfang 2019 ist das MotionLab.Berlin Hauptmieter der Halle in der Bouchéstraße.

 

 

Die Idee eines Prototyping-Spaces, in dem Tüftlern und Gründern große Maschinen wie 3-Drucker, Fräsen und Laser gegen ein geringes Entgelt zur stundenweise Verfügung stehen oder aber über eine Flatrate dauergenutzt werden können, kommt an. „Wir sind bereits zu 90 Prozent ausgebucht“, so Christoph Neye. Verwunderlich ist dies nicht, denn charakteristisch für Orte wie dem MotionLab ist der offene Dialog – auch über verschiedene Projekte hinweg. „Über physische Objekte kommt man hier schnell ins Gespräch und die Dinge entwickeln sich“, erläutert Neye. Ideen verbinden halt – auch über Projekte hinweg, die streng genommen zueinander in Konkurrenz stehen.

 

 

„Solche Formen des Austausches und der synergetischen Zusammenarbeit sind typisch für das MotionLab“, sagt Neye. Zugleich sind sie ein Beispiel für den offenen Gründergeist Berlins. Diesen partizipatorischen Ansatz möchten der MotionLab-Gründer und seine beiden Partner unbedingt erhalten. „Wir haben einen Ort geschaffen, an dem wir selbst gern als Kunden herkommen würden. Ohne Reglementierung von oben.“ Neue Mitglieder kommen daher meist über Empfehlung. Drüber hinaus gibt es im MotionLab.Berlin neben zahlenden Mietern auch solche, die das Angebot in der Fertigungshalle umsonst nutzen dürfen – weil sie sich aktiv für die Entwicklung der Community engagieren.

Jeden Freitagabend bietet das MotionLab außerdem kostenlos Touren für Interessenten an. So kann man sich gegenseitig entspannt kennenlernen. „Einen Ort wie das MotionLab.Berlin hätten wir nirgendwo anders so unkompliziert schaffen können wie in Berlin. Die meisten Menschen, die aus aller Welt in die Stadt kommen, wollen etwas machen. ‚Wenn nicht in Berlin, wo sonst?’ lautet ihre  Erwartungshaltung. Daher hat auch unsere Idee hier funktioniert“, so Neye.

Inzwischen reichen die Pläne des MotionLab-Teams weiter: Demnächst soll es einen zweiten Standort in der Stadt geben. Und in den kommenden Jahren möchten die drei Gründer mit dem Berliner Konzept als Blaupause auch international expandieren.“ Ganz einfach: Weil es geht in Berlin. Und weil Berlin als Hotspot für Gründer inzwischen international ein Begriff ist. /vdo

 

Fotos: Berlin Partner@vdo; Porträt: Christoph Neye

 

 

Zurück zum Blog