Marzipan-Würfel für Berlin 

Berlin ist die Hauptstadt des Marzipans. Geschätzt rund ein Drittel der weltweit produzierten Marzipan-Rohmasse wird hier produziert. Genauer gesagt: in Berlin-Neukölln. Moll und Lemke heißen die beiden Fabriken, die seit mehr als 100 Jahren Süßwarenhersteller in der ganzen Welt mit Marzipan-Rohmasse beliefern. Doch kaum jemand weiß das. Der Berliner Unternehmer Hamid Djadda will Marzipan aus der Hauptstadt mit Ohde Berlin weltweit zum Begriff machen. Ein Teil der Einnahmen fließen in einen guten Zweck.

Wilde Mandelbäume brachten Hamid Djadda vor einigen Jahren auf die Idee, etwas aus den schmackhaften Kernen dieses Rosengewächses zu machen. Der Wahlberliner war damals zu Besuch in seinem Heimatland Iran. Über ein Unternehmernetzwerk lernte er anschließend die Geschäftsführer der traditionsreichen Neuköllner Marzipanfabriken Moll Marzipan und Lemke kennen. Zufall? Eine dritte Begebenheit führt schließlich dazu, dass Djadda Ende 2017 die Marke Ohde Berlin ins Leben rief: Auf dem Flughafen stand er vor dem Souvenir-Tresen und dachte sich: „Lübecker Marzipan zwischen Andenken aus Berlin? Das kann nicht sein!“

„Ein Drittel der weltweit produzierten Marzipan-Rohmasse werden geschätzt bei Moll und Lemke hergestellt. Das macht Berlin zu einem der größten Hersteller von Marzipan. Das weiß allerdings kaum jemand“, so Djadda. Der heute 61-Jährige beschloss, Berliner Marzipan zur Marke zu machen. „Bei Sacher-Torte denkt jeder gleich an Wien. Mein Ziel ist es, dass jeder in Zukunft Marzipan mit Berlin assoziiert.“ Als Quereinsteiger im Marzipan-Geschäft betrat Djadda, der in seinem Leben bereits mehrere Firmen hatte und zuletzt mehr als 20 Jahre lang eine Fabrik für Bleikristallglas in Thailand leitete, unternehmerisches Neuland. Doch in Berlin fand er schnell kompetente Partner für seine Marzipan-Idee: Moll und Lemke, die bereits seit mehr als 100 Jahren in der Stadt produzieren, liefern ihm die mit 62 Prozent Mandelanteil sehr hochwertige Rohmasse. Sabine Dubbenkropp, Deutsche Schokoladenmeisterin 2015/2016 und die renommierte Berliner Pâtissiere Karina Appeldorn kreieren für Ohde ungewöhnliche Pralinen. Mit exotischen Zutaten wie Orange, Safran, Rosenwasser, Mandelkrokant, persischem Blausalz oder Pistazien. Diese wiederum bezieht Djadda aus dem Iran. Hergestellt werden die Ohde-Marzipan-Pralinen ausschließlich von Hand – u.a. bei der Confiserie Reichert in Steglitz.

33 unterschiedliche Pralinen finden sich inzwischen im Ohde-Sortiment – vom puristischen „Marzipan-Carré“ über die Gin-Praline mit Wacholdernote bis hin zum Himbeergeist-beseelten „Marzipan-Kuss“. Und der Bestseller? „Das ist eindeutig unsere ‚Ganache-Praline Persisches Blausalz’“, so Djadda. „Sie bietet einen besonders spannenden geschmacklichen Kontrast und schimmert, als ob sie mit kleinen Saphiren bestückt wäre.“

Freiheit bedeutet für mich, dass man nicht verfolgt und bestraft wird, wenn man seine Meinung ausdrückt. Dass man so leben kann, wie man will.
Hamid Djadda, Gründer Ohde Berlin

Auch die „Ricksdorfer Glückswürfel“ verkaufen sich gut.  Denn 30 Prozent aus dem Erlös jeder dieser in gelbe kleine Karton-Würfel verpackten Marzipan-Pralinen fließen in die sich noch in Gründung befindende Ohde-Stiftung – und damit in einen guten Zweck. Pro 8er-Packung sind das immerhin 2,40 Euro. „Ich bin schon oft in meinem Leben ganz unten gewesen und habe mich immer wieder hochgekämpft. Jetzt, wo ich es mir gut geht, möchte ich der Gesellschaft etwas zurückgeben“, erläutert Hamid Djadda sein soziales Engagement. Gezielt will er mit Ohde Bildungseinrichtungen und -projekte für Jugendliche in Neukölln fördern. Aktuell werden mit Glückswürfel-Geldern an der Kepler-Oberschule Sprach-Coaches finanziert. „Ohne Sprache kann Integration nicht funktionieren, sie ist der Schlüssel“, weiß Djadda aus eigener Erfahrung. „Als ich als Kind aus dem Iran nach Hamburg kam, war ich der einzige Ausländer an meiner Schule. Ich habe damals innerhalb von sechs Monaten fließend Deutsch gelernt. Das lag ausschließlich daran, dass meine Freunde alle Deutsch mit mir gesprochen haben.“  

Dass die Ohde-Stiftung Projekte in Berlin-Neukölln unterstützt, hat zweierlei Gründe: „In Neukölln wird zum einen das Berliner Marzipan produziert. Zum anderen bot vor fast 300 Jahren Friedrich Wilhelm I. religiös verfolgten Böhmen in Rixdorf ein sicheres Zuhause. Nicht von ungefähr haben wir ihn zu unserer Gallions-Figur gemacht“, so Djadda. Im Neuköllner Kiez soll demnächst auch die Gläserne Fabrik von Ohde entstehen. Noch sucht Djadda allerdings dafür allerdings die passende Location. Ohde-Pralinen sind daher derzeit nur im BIKINI Berlin, im KaDeWe, in der Galeria Kaufhof auf dem Alexanderplatz oder im Onlineshop erhältlich.

Auch außerhalb des Neuköllner Kiezes investiert Djadda in Berlin. 2014 kaufte er die 1904 gegründete Berliner Blechschild Manufaktur und aktuell baut er die denkmalgeschützte Avus-Tribüne zu einer Büro- und Eventlocation um. „Berlin ist einfach einzigartig. Ich habe in neun Städten, sechs Ländern und auf drei Kontinenten gelebt. Aber Berlin ist besonders facettenreich, kreativ und weltoffen. Niemand beurteilt einen hier nach dem Aussehen. Man kann sich kleiden und geben, wie man will. Viele Menschen denken und handeln hier auch sehr sozial. Das ist nicht überall so.“

Doch so facettenreich Berlin auch ist – Mandelbäume will Djadda in der Stadt nicht anpflanzen. Der Branchen-Quereinsteiger hat inzwischen gelernt: „Wilde Mandeln dürfen nach deutschem Lebensmittelgesetz für die Marzipanherstellung gar nicht benutzt werden.“

 

Fotos: be Berlin/vdo, Porträt Hamid Djadda und Produktfotos: © Ohde Berlin

 

 

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