„Was ist Freiheit?“

Das Berliner Theaterprojekt syn:format hat einen ungewöhnlichen Ansatz: Geflüchtete Syrerinnen und Syrer teilen auf der Bühne ihre Lebensgeschichte mit dem Publikum und durchbrechen dabei sprachliche und kulturelle Barrieren. Ihr Stück „Freiheit“ ist der dritte Teil einer „Trilogie des Ankommens“. Vom 21. bis 24. Februar tritt das Ensemble im Theater im Delphi in Berlin-Weißensee auf.

„Es geht darum, wie ich mich von vielen Dingen befreien kann, die in meinem Leben so hart waren, dass ich sie nur noch zerbrechen wollte. Ich will zeigen, dass es weitergeht. Dass ich diesen Schmerz aushalten und in etwas Neues verwandeln kann“, sagt Arwa Azouz. Die junge Syrerin ist Schauspielerin. Zu dem Beruf, der in ihrem Falle tatsächlich Berufung ist, fand sie über das deutsch-syrische Theaterprojekt syn:format, das im Winter 2015 von Geflüchteten in Berlin gegründet wurde, „um der Ohnmacht des Wartens etwas entgegenzusetzen“. Unter der künstlerischen Leitung der Schauspielerin Magdalena Scharler erarbeiteten sie drei Theaterstücke, in denen sie auszudrücken versuchen, was im Verlauf des Integrationsprozesses mit Menschen geschieht.  Nach „Letter to the World“ (2016) und „Deine Heimat. Meine Heimat“ (2017) ist „Freiheit“ ist der dritte Teil einer von  den Geflüchteten erarbeiteten „Trilogie des Ankommens“.

 

Mein Kopf ist ein Käfig. Ein kleines Fenster. Es zeigt den Himmel.
Aus „Freiheit“ / syn:format

In dem Stück, das 2018 Premiere in Berlin feierte, geben sieben syrischen Darstellerinnen und Darsteller – teils auf Deutsch, teils auf Arabisch – sehr unterschiedliche Antworten auf die zentrale Frage: „Was ist Freiheit?“  Für die Inszenierung schrieben sie Texte, die Freiheit in Bezug setzen zu ihrer Fluchterfahrung. Sie erzählen von der ungewohnten, neuen Freiheit, die ihnen in Deutschland zuteil wurde, und bringen den Verlust ihrer Heimat zum Ausdruck. „Freiheit“ ist zugleich der Versuch der Darstellerinnen und Darsteller, sich künstlerisch mit der Desillusionierung auseinanderzusetzen und auch mit dem inneren Zerbrochensein, das die Flucht und die Ankunft in einer neuen Heimat mit sich bringen. Für diesen offenen, dialogischen Ansatz verlieh der Berliner Senat syn:format 2018 den erstmals vergebenen #FARBENBEKENNEN-Award. „Die Schauspieler des deutsch-syrischen Theaterprojektes teilen ihre Lebensgeschichte mit dem Publikum und durchbrechen damit sprachliche und kulturelle Barrieren“,  so die Begründung der Jury.

Wer die Premiere von „Freiheit“ im vergangenen Jahr verpasst hat, dem bietet sich jetzt erneut Gelegenheit, diese außergewöhnliche Aufführung zu sehen: Vom 21. bis  24.  Februar 2019 wird das Stück jeweils ab 20 Uhr im ehemaligen Stummfilmkino Delphi in Prenzlauer Berg gezeigt. Ein Besuch lohnt sich. Das bestätigen auch die vielen positiven Reaktionen aus dem Publikum. Magdalena Scharler: „Viele Besucher sagten uns hinterher, sie würden endlich verstehen, warum eine Flucht nicht beendet ist, wenn man im ‚Zielland’ angekommen ist. Und dass sie jetzt eine Ahnung davon hätten, warum die nach Deutschland geflüchteten Menschen ein Geschenk sein können.“

Mehr Informationen www.synformat.org
Tickets: delphi.reservix.de

 

Fotos

Oben/Mitte: syn:format © Sevi Tsoni
Unten: syn:format © Simon Detel

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